Open/Close Menu Wie Anwälte neue Chancen nutzen

In der Rechtsberatungsbranche spricht man seit Jahren über Legal Tech. Dennoch herrscht immer noch keine Einigkeit darüber, was den Begriff im Kern ausmacht. Für Kanzleien ist es deshalb umso schwieriger, sich mit Legal Tech nach außen zu präsentieren. Um dieser Unsicherheit entgegen zu wirken, hat das Online-Verzeichnis legal-tech-kanzleien.de ein neues Legal Tech-Signet entwickelt. Als es vorgestellt wurde, sind einige Fragen zur Vergabe geäußert worden. In diesem Beitrag greifen wir die wichtigsten auf.

Warum braucht die Rechtsberatungsbranche ein Legal Tech-Signet?

Markus Hartung, führender Legal Tech-Experte in Deutschland und Herausgeber des Online-Verzeichnis legal-tech-kanzleien.de, erklärte auf LinkedIn den Zweck des Signets: „Ziel ist es, dass sich Unternehmensjuristen, die gezielt nach einer Legal Tech-Kanzlei suchen, bei ihrer Auswahl einigermaßen sicher sein können. Für diese Kanzleien hat FFI ein Signet entwickelt und ihnen zur Verfügung gestellt. Damit können sie nach außen dokumentieren, dass sie Legal Tech und innovative Prozesse einsetzen, die Mandanten zugutekommen.“ Unternehmen, die sich von Legal Tech-Anwaltskanzleien beraten lassen, profitieren von ihrer schnelleren, kostengünstigeren und effizienteren Arbeitsweise. Häufig steckt jedoch hinter der Bezeichnung reines Marketing. Das Signet soll hier Sicherheit durch konkrete Vergabekriterien bieten und innerhalb der Branche mehr Glaubwürdigkeit schaffen. Legal Tech-Kanzleien ermöglicht es wiederum, ihr Fachwissen mit einem Symbol nach außen zu kommunizieren.

Was wird beim Auswahlverfahren für das Legal Tech-Signet berücksichtigt?

Das Auswahlverfahren wurde in Zusammenarbeit Markus Hartung entwickelt und richtet sich nach einer Punktevergabe bei der Abfrage bestimmter Kriterien. Von der IT-Infrastruktur bis hin zur Arbeitseinteilung werden hier sämtliche Bereiche, die Legal Tech beeinflussen, berücksichtigt. Beim Auswahlverfahren soll somit ein ganzheitliches Bild einer Kanzlei und deren Nutzung von Legal Tech ermittelt werden. Neben Technologien wie der E-Akte oder Dokumentenanalyse-Software wird auch danach gefragt, ob ein Legal Tech-Team sich um Innovationen in der Kanzlei kümmert. Darüber hinaus wird berücksichtigt, ob eine Kanzlei moderne Wege zur Mandantenakquise, wie Online-Portale, nutzt. Neben der Akquise steht auch die Art und Weise, wie und mit welchen Technologien mit bestehenden Mandanten kommuniziert wird, im Fokus.

Weitere Kriterien für die Vergabe des Legal Tech-Signets:

  • Erwähnung von Legal Tech auf der Kanzlei-Website
  • Entwicklung von Rechtsberatungsprodukten und Geschäftsmodellen rund um Legal Tech
  • Die Nutzung kollaborativer Konzepte im Kanzleialltag
  • Der Grad der Automatisierung von Kanzleiprozessen

Wer kann das Legal Tech-Signet nutzen und wie kann man sich dafür bewerben?

Der Eintrag in das Verzeichnis und die Vergabe des Signets ist rein redaktionell und damit kostenfrei. Jede Kanzlei ist eingeladen, am Auswahlverfahren teilzunehmen und das Legal Tech-Signet zu erwerben. Hierzu füllen diese den Fragebogen aus, der als PDF-Datei auf legal-tech-kanzleien.de zum Download zur Verfügung steht und schicken ihn an info@ffi-verlag.de. Teilnehmende Kanzleien werden zeitnah über das Ergebnis informiert. Wer alle abgefragten Kriterien im Auswahlverfahren erfüllt, kann das Legal Tech-Signet als Symbol in sämtlichen Bereichen der Außendarstellung – von PR bis hin zu Marketing – einsetzen. Insbesondere die Kanzlei-Website, die E-Mail-Signatur, aber auch Mandanteninformationen bieten sich hier an.

Wie haben Branchenkenner auf das Legal Tech-Signet reagiert?

Die Reaktionen zum Legal Tech-Signet fielen im Großen und Ganzen positiv aus. Durch die schnellen Entwicklungen der letzten Jahre scheint es innerhalb der Branche den Wunsch nach Anhalts- und Orientierungspunkten rund um Legal Tech zu geben. Deutlich wurde in den Diskussionen zum Signet jedoch auch, dass so manche Legal Tech-Interessenten sich  konkrete Anwendungsbeispiele oder Use Cases wünschen. Außerdem wurde Kritik daran geäußert, dass manche Kanzleien ein Image als moderne Legal Tech-Kanzlei nach außen kommunizierten, ihre eigentlichen Arbeitsprozesse jedoch bewusst „analog“ durchführten, um mehr „billable hours“ beim Mandanten abzurechnen. „Ist die technische Eintrittsschwelle für das Signet hoch genug?“ fragte ein User auf LinkedIn.

Der Austausch im Wortlaut kann auf LinkedIn nachgelesen werden:

Fazit: Legal Tech-Signet bietet Orientierung für erste Standards

Wer den Anspruch hat, bei neuen Entwicklungen und Veränderungen sofort eine eindeutige Definition formulieren zu können, hat nicht verstanden, was Innovation im Kern ausmacht. Es ist normal und gut, dass für neue Phänomene wie Legal Tech Begriffe noch entwickelt werden müssen. Wer gleich eine Definition absteckt, läuft Gefahr, Innovation auszubremsen. Genau deshalb kann und will das Legal Tech-Signet keinen Anspruch darauf erheben, Legal Tech zu definieren. Dennoch dient es als Orientierungspunkt in der Praxis und benennt zumindest einige Bereiche, die Legal Tech ausmacht.   

Über legal-tech-kanzleien.de: legal-tech-kanzleien.de ist das erste Fachportal und Online-Verzeichnis für Unternehmensjuristinnen und -juristen. Es richtet sich an diejenigen, die wollen, dass ihr Unternehmen von der Digitalisierung der Rechtsberatung profitiert, jedoch nicht wissen, wo sie anfangen sollen. Im Verzeichnis präsentieren sich Legal Tech-Kanzleien, die Unternehmen in Fragen rund um Legal Tech beraten. Zusätzliche redaktionelle Fachinformationen bieten weitere Anhaltspunkte.