Was ist Legal Tech?

Hier finden Sie eine Definition des Begriffs „Legal Tech“ und einen ersten Einblick in die neuen Möglichkeiten, die sich Kanzleien bieten

Legal Tech ist in aller Munde, doch was genau verbirgt sich hinter dem Begriff? Das Wort setzt sich aus „legal services“ und „technology“ zusammen und meint die Digitalisierung der juristischen Arbeit. Dabei sollen einzelne Arbeitsprozesse, aber auch ganze Rechtsdienstleistungen, vermehrt automatisiert ablaufen, um eine Effizienzsteigerung zu erzielen und somit auch Kosten einzusparen.

Diese Bereiche wird Legal Tech verändern

Umgesetzt wird Legal Tech meist mit Software und Online-Diensten, die von Unternehmen, insbesondere von Startups, entwickelt werden. Unterscheiden kann man dabei zwischen:

  1. Anwendungen, die den Anwalt bei seiner Arbeit unterstützen (z.B. Software zur Dokumentenverwaltung, Kanzleiverwaltung, Abrechnung),
  2. Technologien, die die Arbeit von Juristen in einzelnen Bereichen automatisieren (z.B. Dokumentenanalyse-Tools, Vertragsgeneratoren oder Chatbots),
  3. Plattformen, die Anwälte untereinander oder mit Mandanten vernetzen (z.B. Anwaltsmarktplätze, Kollaborationsnetzwerke).

Zeitersparnis durch Legal Tech

Nachdem die Anwendungen, die Rechtsanwälte bei ihrer Arbeit unterstützen schon länger Einzug in deutsche Kanzleien gefunden haben, wächst insbesondere der Bereich von Legal Tech, der die Automatisierung von Arbeitsabläufen ermöglicht. Prädestiniert dafür sind die Bereiche, die standardisiert ablaufen, wie zum Beispiel die Vertragserstellung oder das Verfassen einer Klageschrift. Beispiele sind Leverton, eine Software, die innerhalb weniger Sekunden hunderte Seiten lange Verträge nach allen relevanten Informationen analysiert und filtert oder Lawlift, mit deren Software Dokumente (teil-)automatisiert erstellt werden können.

Insgesamt ermöglicht derartige Software Zeitersparnis, die der Jurist in Aufgaben und Bereiche investieren kann, die nicht-standardisierbar sind. Dazu gehören die Beratung und der Austausch mit Mandanten oder die Bearbeitung komplexer Rechtsfälle.

Mandantenakquise mit Legal Tech

Technik und Digitalisierung kann auch bei der Mandantenakquise hilfreich sein. Für Anwaltskanzleien bietet sich ein breites Spektrum an Plattformen, auf denen sie sich präsentieren und online Fälle abwickeln können, sodass Mandate ortsunabhängig werden. Auf Websites, wie anwalt.de oder jurato, wird meist nicht nur der Kontakt zwischen Mandant und Anwalt hergestellt; neben der digitalen Fallbearbeitung bietet sich auch die Möglichkeit, über das eigene Rechtsgebiet zu informieren, eigene Beiträge zu veröffentlichen und einzelne Rechtsdienstleistungen anzubieten (z.B. die Erstellung eines Rechtsdokuments oder die Beantwortung einer einzelnen rechtlichen Frage). Diese isolierten Rechtsdienstleistungen sind nicht an eine vollständige Mandatsübernahme geknüpft und werden zum Festpreis angeboten. Dabei handelt  es  sich um sogenannte Rechtsprodukte, welche sich bei Rechtsuchenden, aufgrund großer Transparenz und Einfachheit, zunehmender Beliebtheit erfreuen.

Vernetzung mit anderen Anwaltskanzleien

Neben dem Kontakt zu potentiellen Mandaten durch Legal Tech-Plattformen spielt auch die Vernetzung von Anwälten untereinander eine maßgebliche Rolle. Die entsprechenden Portale ermöglichen das einfache Outsourcing von Arbeitsprozessen, Terminsvertretung, Vernetzung von rechtlichem Know-how etc. Websites, wie Digitorney stellen ein weltweites Netzwerk an Anwälten zur Verfügung, die bei internationalen Rechtsfragen zu Rate gezogen werden können und edicted. bietet eine Plattform zur kanzleiübergreifenden Kollaboration unter Juristen.

Die Zukunft mit Legal Tech

Portale wie flightright.de oder geblitzt.de haben die Digitalisierung genutzt, um Rechtsberatung nahezu vollständig zu automatisieren, und zwar bei den Fällen, die hundertfach und immer wieder in ähnlicher Weise vorkommen. Das ist bei der Durchsetzung von Fluggastrechten der Fall, wie auch bei Bußgeldbescheiden. Von der Datenaufnahme bis hin zum Antrag auf Schadenersatz wird alles von der jeweiligen Software übernommen. Anwälte kommen nur dann zum Einsatz, falls der Fall vor Gericht geht. Daneben gibt es die oben genannten Bereiche von Legal Tech, die keine Konkurrenz zur Anwaltskanzlei darstellen, sondern diese in ihrer Arbeit unterstützen und modernisieren.

Mögliche Schlussfolgerungen, wie Legal Tech die Rechtsbranche verändert:

  • Das Berufsbild und Selbstverständnis von Juristen verändert sich: Sie sind mehr für individuelle Rechtsfragen zuständig, statt für standardisierte Dienstleistungen wie Testament erstellen, Dokumente analysieren etc.
  • Kompetenzen wie technisches Verständnis oder unternehmerisches Denken werden immer wichtiger
  • Der Wettbewerb und Preisdruck steigt, weil Technik günstigere Preise zulässt
  • Mehr Transparenz durch neue Vergütungsmodelle
  • Lokal ungebundenes Arbeiten

Es gilt zu verstehen, dass Legal Tech die Rechtsbranche und das Berufsbild des Anwalts verändert. Der Einsatz von Technik führt dabei dazu, dass Rechtsrat effektiver, transparenter und kostengünstiger bereitgestellt werden kann. Die Entwicklungen stehen gerade erst am Anfang, daher ist es sehr wichtig, sich mit Legal Tech und den Chancen für den Anwaltsberuf auseinanderzusetzen, um auch in Zukunft erfolgreich zu sein.