Open/Close Menu Wie Anwälte neue Chancen nutzen
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Interview mit Michael Friedmann: „Anwälte werden Systeme nutzen, die ihre Arbeit schneller und besser machen“

Herr Friedmann, in der Legal Tech-Szene sind Sie kein Unbekannter. Oft werden Sie sogar als Pionier bezeichnet. Bitte erzählen Sie doch kurz, seit wann Sie schon mit welchen Rechtsprojekten online tätig sind.

Wir sind seit dem Jahr 2000 im Bereich der Online-Rechtsberatung tätig. Ab dem Jahr 2000 mit 123recht.net und 2004 kam frag-einen-anwalt.de dazu. Seit 2012 verkaufen wir zusätzlich noch Smart Documents.

Ihr aktuelles Projekt heißt Prime Legal. Um was genau handelt es sich hierbei?

Prime Legal ist eine KI-unterstützte und projekt- und prozessorientierte Software, die Anwälten eine schnellere und qualitativ bessere Mandatsbearbeitung ermöglicht.

Wie sind Sie auf diese Idee gekommen?

Seit Juli 2017 bieten wir auf frag-einen-anwalt.de eine Rechtsberatungsflatrate für 80,00 EUR an. Um die beratenden Anwälte bei der Arbeit schneller und besser werden zu lassen, nutzen wir unseren Big Data Pool vorangegangener Beratungen und die Künstliche-Intelligenz-Plattform Watson von IBM.

Das klingt nach einem völlig neuen Konzept bei der Anwendung von Legal Tech. Wie nutzen Sie bei Prime Legal die IBM Watson Technologie?

Was die Arbeit mit IBM Watson angeht, betreten wir bei uns in der Firma tatsächlich Neuland. Dabei ist unser Datenpool der vorangegangenen 18 Jahre, was Beratungen und Fachartikel angeht, eine große Hilfe. Auch IBM Watson ist immer noch nur so schlau, wie die Daten, mit denen man ihn füttert.

Wie kam die Kooperation mit IBM zustande?

Den ersten Kontakt gab es 2016 auf einer Konferenz. Dort kamen wir ins Gespräch, und IBM hat sofort erkannt, wie gut unsere Daten für Watson sind. Ich nenne das „Legal Jeopardy“ (Anmerkung des Interviewers: IBM Watson hat im Februar 2011 in der amerikanischen Quizsendung Jeopardy!  zwei menschliche Champions haushoch geschlagen. Dieser Sieg wurde oft verglichen mit dem Duell des Schachweltmeisters Garri Kasparow gegen den Computer Deep Blue.). Wir haben die Fragen und die passenden Antworten dazu. Mittlerweile über 180.000 Datensätze. Das sind die Inhalte, die Watson liebt.

Wann soll Prime Legal an den Markt kommen und wie sieht das Kostenmodell aus?

Wir werden Ende des zweiten Quartals 2018 ein marktreifes Produkt in einigen Rechtsgebieten haben. Das Preismodell steht noch nicht fest. Allerdings möchte ich mit einem Preis an den Markt gehen, den sich jeder Anwalt in Deutschland leisten kann.

Welche Anwälte werden hier besonders angesprochen, bezogen auf Kanzleigröße und Rechtsgebiete?

Zunächst werden wir die Rechtsgebiete bedienen, die auf unserer Plattform aktuell am meisten nachgefragt werden, wie z.B. Mietrecht, Familienrecht, Urheberrecht, Arbeitsrecht, und Kaufrecht. Aktuell sind 80 Prozent der Inhalte, die wir für Prime Legal nutzen, privater Natur. Der Business-Anteil steigt aber überproportional durch die Flatrate, die wir anbieten.

Abschließend: Herr Friedmann, was glauben Sie, wie sich der Rechtsberatungsmarkt in den nächsten fünf Jahren in Deutschland verändern wird und welche Rolle könnte Prime Legal hierbei spielen?

Ich glaube, dass sich die Arbeit der Rechtsanwälte in den nächsten drei bis fünf Jahren grundlegend verändern wird. Alle Bereiche von Legal Tech werden in die Kanzlei einziehen. Anwälte werden Systeme nutzen, die ihre Arbeit schneller und besser machen. Schon allein, weil der Mandant alles sofort haben möchte und die Handarbeit nicht mehr bezahlen will. Wir sind als Pionier in der Online-Rechtsberatung und der KI-unterstützten Beratung gut aufgestellt und hoffen, dass wir, neben vielen anderen, auch weiterhin eine große Rolle spielen werden.

Dann wünsche ich Ihnen weiterhin viel Erfolg und vielen Dank für das interessante Gespräch.

Foto: Homepage www.anwalt-prime.de

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