Open/Close Menu Wie Anwälte neue Chancen nutzen
Atornix

Die Legal Tech-Unternehmer Marco Klock und Philipp Harsleben haben ein neues Portal zur Durchsetzung von Verbraucherrechten ins Leben gerufen. Basierend auf ihrem bereits bestehenden Portal Hartz4Widerspruch will man nun in weiteren Bereichen wie dem Sozial-, Verkehrs-, Arbeits- und Mietrecht für stärkeren Zugang zum Recht sorgen. Im Interview erklärt Geschäftsführer und Gründer Marco Klock, wie man sich standardisierte Prozesse zu Nutze macht und wie seine Vorstellung von moderner Rechtsberatung aussieht.

Herr Klock, Sie sind mit Ihrem neuen Legal Tech-Portal Atornix an den Markt gegangen und wollen Verbrauchern den Zugang zum Recht erleichtern. Wie genau funktioniert Ihr Angebot?

Atornix hat aus Sicht des Kunden immer den gleichen Ablauf: Es besteht ein Rechtsproblem, welches direkt ausgewählt wird. Danach fordert das System zur Registrierung auf und fragt unterschiedliche Daten und Dokumente zum Sachverhalt ab. Sobald alle erforderlichen Informationen vorhanden sind, erhält der Mandant innerhalb kurzer Zeit ein Beratungsangebot von einem unserer Partneranwälte. Dies umfasst eine Einschätzung der Erfolgsaussichten sowie eine Empfehlung für das weitere Vorgehen und ob die Rechtsschutzversicherung mögliche Kosten trägt bzw. wie hoch die Kosten für das Lösen des Rechtsproblems ohne Versicherung wären. Bis hier hin ist es immer und überall kostenlos. Bei komplexen Sachverhalten findet ein Beratungsgespräch zwischen Mandant und Rechtsanwalt statt.

Im Unterschied zu Marktplätzen wie advocado.de oder anwalt.de ist Atornix.de vertikal integriert. Unsere Partnerkanzleien arbeiten auf unserer eigenen Kanzleisoftware. Dadurch gewährleisten wir maximale Qualität und eine lückenlose Verbindung zwischen dem Rechtsanwalt und dem Mandanten. Dieses Vorgehen setzen wir voraus, um das optimale Beratungserlebnis zu gewährleisten.

Welche Prozesse innerhalb des Beratungsprozesses haben Sie standardisiert und automatisiert?

Das gesamte Beratungserlebnis ist digitalisiert, so dass der Kunde seinen Zugang zum Recht schnellstmöglich realisieren kann. Darüber hinaus wissen wir genau, welche Informationen und Dokumente für welche Rechtsprobleme benötigt werden, damit unsere Partnerkanzleien schnell eine Ersteinschätzung abgeben können. An dieser Stelle sind die einzelnen Rechtsgebiete größtenteils standardisiert.

Die Automatisierung findet dann in den Partnerkanzleien statt. Unserer Kanzleisoftware (Atornix Manager) bietet die Möglichkeit, unendlich viele Datenpunkte pro Akte aufzunehmen. Jeder weitere Datenpunkt ermöglicht weitere Automatisierungen – gerade im Bereich der administrativen Prozesse. Für den Mandanten ist an dieser Stelle vor allem wichtig, dass repetitive Prozesse immer in höchster Qualität ablaufen und die Qualität auch nicht vom einzelnen Rechtsanwalt abhängt. Je größer die Anzahl gleichgelagerter Verfahren in einem Rechtsgebiet, desto höher der Anteil automatisierter Prozesse. Dies ersetzt aber an der Stelle nicht den Rechtsanwalt.

Sie betonen die Kundenorientierung Ihrer Dienstleistung. Warum spielt diese in Zeiten der Digitalisierung eine immer größere Rolle?

Jedes Produkt und jede Dienstleistung, die sich in der heutigen digitalen Zeit an den Konsumenten richtet (B2C), muss kundenorientiert agieren. Durch direktes Feedback, Bewertungen und die Geschwindigkeit der digitalen Kommunikation besteht eine nie da gewesene Transparenz, die sich in der DNA des Produktes wiederfinden muss.

Sehen Sie sich als Konkurrent zur „klassischen“ Anwaltskanzlei?

Legal Tech und klassische Anwaltskanzleien sind auf jeden Fall keine gegensätzlichen Pole, vielmehr ist Legal Tech eine Art der Ausgestaltung einer modernen Kanzlei. Häufig wird mit Legal Tech verbunden, dass es um ein Geschäftsmodell geht, welches durch eine Kanzlei alleine nicht betrieben werden kann – das ist aber bei ganz wenigen Konstellationen der Fall. Die großen Player im Legal Tech-Markt sind typischerweise sogar Kanzleien, die es verstanden haben, digital aus Sicht des Kunden zu denken. Insofern besteht natürlich ein Wettbewerb, der sich um den potentiellen Mandanten mit Rechtsproblem im Verbraucherrecht dreht. Dieser Zielgruppe die schnellste und beste Rechtsberatung anzubieten, ist die Vision, die jeder Rechtsdienstleister am Markt haben sollte.

Wie genau sieht die Zusammenarbeit mit Anwältinnen und Anwälten aus und wer kann bei Ihnen mitmachen?

Wir arbeiten mit einer limitierten Anzahl an Partnerkanzleien zusammen, die größtenteils über eine zentrale Kanzlei gesteuert werden. Unsere Partnerkanzleien werden nach Expertise und der Fähigkeit, unsere eigene Kanzleisoftware in die Prozesse zu integrieren, ausgesucht. Wir sind überzeugt, dass unser Anspruch an das Beratungserlebnis des Mandanten nur dann gewährleistet werden kann, wenn die Kanzleien diesen hohen Ansprüchen gerecht werden. Insofern agieren wir bisher nur auf Einladung und in einer ganz engen Abstimmung mit unseren Produktverantwortlichen.

Wie sieht Ihrer Meinung nach die Zukunft rechtlicher Beratung aus?

Digital. Schnell. Bedarfsgerecht – zumindest im Bereich des Verbraucherrechts. Die Digitalisierung bietet die Chance, dass Prozesse und ganze Branchen neu gedacht werden können. In der Rechtsberatung stehen wir da ganz am Anfang. Gleichzeitig offenbaren Technologie und Daten die Möglichkeit, ganz neue und vor allem erfolgsabhängige Geschäftsmodelle zu erfinden, die aus Sicht des Kunden einen wesentlich einfacheren Zugang zum Recht ermöglichen. Für den rechtsratsuchenden Mandanten wird die Zukunft nach meiner Einschätzung eine ganz neue Ära des subjektiv empfundenen Rechtsschutzgefühls mit sich bringen. Und solange es für den Kunden durch Innovation besser als in der Vergangenheit ist, erscheint mir die Entwicklung des Rechtsmarktes als eine positive.

Vielen Dank, Herr Klock!

Das Interview führte Nadia Neuendorf.

Foto: www.atornix.de