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anwalt2018

Digitalisierung für den Kanzleialltag statt „Glaskugelblick“ – Blick auf die Konferenz Anwalt2018

Dass der Bayerische Anwaltverband als konventionelle Organisation mit „Anwalt2018“ eine Konferenz zur digitalen Transformation ausrichtet, ist eher ungewöhnlich. Hat die vom 25. bis 26. Oktober in München stattfindende Veranstaltung genug Innovationsgeist, um die deutsche Anwaltschaft fit für das Thema zu machen? Wir haben einen Blick auf das Programm geworfen.

Multiperspektivischer Blick auf die Bedeutung von Digitalisierung und Anwaltsberuf

Die Organisatoren von Anwalt2018 präsentieren ihr Event auf der Veranstaltungshomepage recht pragmatisch. Bei der „jährlichen Konferenz zur Begleitung der digitalen Transformation im Kanzleialltag“, die mit einem geselligen Treffen am Vorabend am 26. Oktober im Haus der Bayerischen Wirtschaft in München stattfindet, wird der Einfluss von Digitalisierung auf die Rechtsberatung aus unterschiedlichsten Blickwinkeln betrachtet: Was bedeuten englischsprachige Gerichtskammern für Mandantenkontakt und -erwartung? Sind sog. Millenials „andere“ Mandanten, als die aus der vordigitalen Zeit? Worauf ist beim Kanzleimarketing in sozialen Medien zu achten? Wann kommt eine Bürogemeinschaft mit anderen Berufen in Frage? Dies sind Themen, die aktuell den Alltag von Kanzleien bestimmen und das überstrapazierte Stichwort Legal Tech hilft dabei nur bedingt: Wer die aktuellen Entwicklungen verstehen und davon profitieren möchte, muss nicht unbedingt die intelligenteste Kanzleisoftware haben oder viel Geld in Legal Tech-Labs investieren, sondern vor allem die gesellschaftlichen und organisatorischen Konsequenzen, die Digitalisierung mit sich bringt, einkalkulieren. Das Programm von Anwalt2018 verfolgt in diesem Sinne einen ganzheitlichen Ansatz und bietet TeilnehmerInnen Anregungen aus den unterschiedlichsten Bereichen.

Praktische Lösungen statt Zukunftsvisionen

Auf der Homepage von „Anwalt2018“ erfahren Interessierte auch, was sie auf der Konferenz nicht erfahren: „garantiert frei vom Blick in die Glaskugel“ – dieses Versprechen deutet an, was vielen AnwältInnen bei der Diskussion um und dem Umgang mit Legal Tech bisher gefehlt hat: Der Bezug zur beruflichen Realität und dem Kanzleialltag. Genau das war Rechtsanwältin Ulrike Meising als Initiatorin von Anwalt2018 bei der Auswahl von Themen und ReferentInnen wichtig: „Wir wollen auf der Konferenz ausloten und diskutieren, wo wir derzeit stehen und welche Handlungsoptionen und praktikablen Lösungswege sinnvoll sind. Zukunftsvisionen gibt es ausreichend auf anderen Konferenzen, dazu wollen wir keine Konkurrenz sein, vielmehr besteht eine institutionelle Partnerschaft mit der Legal Revolution, einer optimalen Ergänzung zu unserem Angebot. Alle unsere ReferentInnen sind Fachleute, die mitten in ihrem Beruf stecken und ebenso den Veränderungen durch Digitalisierung ausgesetzt sind wie wir.“ Die Familien- und IT-Rechtlerin und Mediatorin arbeitet seit mehr als 20 Jahren in ihrer Kanzlei mit (Legal) Tech.

Von den gesetzlichen Regelungen bis hin zu modernem Kanzleimarketing

Als eine der ersten Referentinnen wird sie dem Publikum zum Einstieg vermitteln, was digitale Transformation genau bedeutet und weshalb es keine gute Idee ist, das Thema als kurzfristige Modeerscheinung zu ignorieren – im Gegensatz zu dem ein oder anderen Hype unter dem Label Legal Tech. Danach geht es um zentrale Themen der Kanzleiorganisation: Basiswissen zur notwendigen IT einer Kanzlei, Auswahlkriterien für eine zeitgemäße Kanzleisoftware und digitales Wissensmanagement. DSGVO und beA mögen nicht beliebt sein – ohne sie kann jedoch heute keine Kanzlei mehr betrieben werden. Auch das Thema modernes Kanzleimarketing bildet einen großen Programmpunkt. Martin Benning, Gründer der Kommunikationsagentur „Benning, Gluth & Partner“ und die bloggende Rechtsanwältin Nina Diercks wollen in ihrem Vortrag Stichworte wie Newsletter, Social Media und Content Marketing mit Leben füllen. Christina-Maria Leeb, eine der diesjährigen „Women of Legal Tech“, beschäftigt sich mit dem Thema „Digitale Kommunikation heute: Klicken, wischen, tippen – oder sprechen?“.

Anwalt2018 könnte mit diesem praktischen Ansatz auch AnwältInnen die Digitalisierung schmackhaft machen, die sie bereits aufgegeben haben. Eine solche Konferenz muss nicht nur zeigen, was neu an Legal Tech ist, sondern vor allem was es nutzt. Ein Blick auf das Programm hat sich in diesem Sinne gelohnt.

Weitere Informationen zum Programm und zur Anmeldung finden Sie auf anwalt2018.de.

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