Open/Close Menu Wie Anwälte neue Chancen nutzen
Legalvisio_Meier

Wer heutzutage seine Finanzen mit Hilfe von Excel im Blick habe, verschwende seine Zeit, so Lucas Meier. Im Interview erklärt der Jurist und Softwareentwickler, warum Anwälte sich mit IT beschäftigen sollten und welche Vorteile eine gute Kanzleisoftware bringen kann.

Herr Meier, Sie sind sowohl Anwalt als auch Software-Entwickler und kennen beide „Welten“. Warum sollten sich Rechtsanwälte überhaupt mit Legal Tech bzw. IT auseinandersetzen?

Allein schon aus dem Grund, dass unser ganzes Leben immer weiter digitalisiert wird. Das Internet ist heutzutage für die Mehrheit der Dreh- und Angelpunkt; wir kommunizieren darüber, erledigen Bestellungen, machen Einkäufe oder Termine. Das ist praktisch, einfach und spart Zeit. Das soll Legal Tech auch für Anwälte sein, indem es alltägliche Abläufe in der Kanzlei mittels Software automatisiert und vereinfacht.

Könnten Sie Ihre Software Legalvisio kurz beschreiben?

Legalvisio ermöglicht es Anwälten, ihre Kanzlei im Internetbrowser zu verwalten. Egal wo sie sich aufhalten, sie haben immer Zugriff auf ihre Akten und alles, was dazu gehört: Kontaktdaten, Dokumente usw. – vorausgesetzt natürlich, dass eine Internetverbindung vorhanden ist.

Uns ist natürlich bewusst, dass nicht jede Kanzlei gleich ist, sondern ihre eigenen Bedürfnisse hat, die man mit einer Einheitssoftware gar nicht alle abdecken kann. Daher werden wir mit Legalvisio im ersten Schritt eine Grundversion anbieten mit Funktionen, die in jeder Kanzlei gleich sind. Jede Kanzlei muss Akten und Dokumente verwalten, mit Mandanten in Kontakt bleiben, Zeit erfassen und ihre Leistungen abrechnen. Darüber hinaus bieten wir eine vollwertige Finanzbuchhaltung mit bestimmten Auswertungen an, die einen guten Überblick über die Finanzen der Kanzlei gewährt. Diese Grundversion wird es im Juni/Juli dieses Jahres zu kaufen geben.
Im zweiten Schritt wollen wir eine Schnittstelle anbieten, die es jeder Kanzlei ermöglicht, selbst entwickelte Software-Module an Legalvisio anzudocken oder eigene Auswertungen zu erstellen und die Software so individuell an die eigenen Bedürfnisse anzupassen.

Warum ist Ihre Software die „erste echte cloudbasierte Kanzleisoftware“, wie Solmecke es im Vorstellungsvideo beschreibt?

Eine cloudbasierte Software erspart seinem Nutzer, auf seinen lokalen Endgeräten selbst Software installieren zu müssen. Das bedeutet, man muss sich keinen Client herunterladen oder eine App  –  ein Webbrowser genügt. Darüber hinaus übernehmen wir die Verantwortung für die Infrastruktur.

Aktuelle Kanzleisoftware-Anbieter stellen ihren Kunden einen Terminal-Server in die Kanzlei, der natürlich gewartet und überwacht werden muss. Zudem müssen Backups eingerichtet und eine gewisse Ausfallsicherheit gewährleistet werden. Das ist aufwendig und meistens nicht so sicher eingerichtet, wie es sein sollte, insbesondere dann nicht, wenn in der Kanzlei selbst das Reinigungspersonal an den Server rankommt. All das ist bei unserer Software schon dabei. Man meldet sich einfach an und legt los.

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Warum braucht eine moderne Kanzlei überhaupt eine Kanzleisoftware?

Eine moderne Kanzlei hat heutzutage einen Überblick über ihre Finanzen, die Kostenquote und Kostenverteilung, kurz gesagt ihre eigene Wirtschaftlichkeit. Einen solchen Überblick erhält man nur, wenn man diese Daten regelmäßig erfasst, ohne dass dadurch ein allzu großer Aufwand entsteht. Wer also Excel-Tabellen führt und selber auswertet, verschwendet Zeit. Denn heutige Software ist in der Lage, diese Daten automatisch zu erfassen und mit nur einem Klick den aktuellen Stand auf die Minute genau anzeigen zu lassen.

Welche Vorteile bringt es Anwaltskanzleien, Programmierer zu beschäftigen?

Programmierer können Kanzleien dabei unterstützen, Abläufe in Software umzusetzen. Oder sie erweitern schon vorhandene oder eingesetzte Software um weitere nützliche Funktionen. Das setzt allerdings voraus, dass die vorhandene Software über Schnittstellen verfügt, die man anzapfen kann.

Was raten Sie kleinen Kanzleien, die Legal Tech in Ihre Arbeitsabläufe integrieren möchten?

Eine kleine Kanzlei wird nicht über die Mittel verfügen, sich eine eigene Software programmieren zu lassen. Daher sollte man die Anbieter einer Software unter die Lupe nehmen, deren Testangebote nutzen oder welche aushandeln. Bei Legalvisio wird es eine monatliche Kündigungsfrist geben – Zeit genug, um den Kanzleialltag mit Software zu erproben. Daneben gibt es bereits einige Einzellösungen, etwa Tools zur reinen Zeiterfassung oder Mandatsgewinnung.

Wie ist Ihre Prognose: Wird Legal Tech in den nächsten zehn Jahren fester Bestandteil des deutschen Rechtsmarkts sein?

Das kann ich nur hoffen. Einerseits hängt das davon ab, ob die Anwaltschaft ihre Ängste und Vorbehalte gegenüber neuen Technologien ablegt. Andererseits wird in zehn Jahren die Generation der Junganwälte, die mit der Technologie von klein auf vertraut ist, fest im Beruf stehen und die digitalen Vorteile, die sie aus dem privaten Bereich gewohnt sind, im Beruf nicht missen wollen. Insgesamt bin ich optimistisch, wenn man betrachtet, welche Dimensionen Legal Tech jetzt schon erreichen kann. So wurde vor kurzem eine Studie veröffentlicht, die sich auf die Analyse von juristischen Verträgen spezialisiert hat. Dabei hat die entwickelte KI die Verträge mit einer ebenso hohen Genauigkeit geprüft wie die an der Studie teilgenommenen Anwälte. Das aber in einem Bruchteil der Zeit (26 Sekunden), die die Anwälte im Durchschnitt benötigten (92 Minuten). Dabei geht es gar nicht darum, den Anwalt zu ersetzen, sondern vielmehr darum, ihm unter die Arme zu greifen, bestimmte Aufgaben schneller erledigen und sich wieder mehr auf seine Kernkompetenzen etwa, die Beratung oder das Prüfen schwieriger Fälle konzentrieren zu können.

Herr, Meier ich danke Ihnen für das Gespräch.

Foto: Legalvisio GmbH

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