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Buch

Buchbesprechung: „Legal Tech – Die Digitalisierung des Rechtsmarkts“ von Hartung/Bues/Halbleib

Anfang Dezember erschien das erste deutsche Legal Tech-Buch mit dem Titel „Legal Tech – Die Digitalisierung des Rechtsmarkts“ im Verlag C.H. Beck. Neben den drei Herausgebern Markus Hartung, Dr. Micha-Manuel Bues und Dr. Gernot Halbleib haben 35 weitere Autoren an diesem 300 Seiten umfassenden Werk mitgewirkt, darunter viele bekannte Namen der Legal Tech-Szene, wie z.B. Tom Braegelmann, Mark A. Cohen, Florian Glatz, Philipp Glock, Joanna Goodman, Michael Grupp, Marco Klock, Christian Solmecke und Dr. Hariolf Wenzler.

Digitalisierung, Legal Tech-Strategie und Anwendung

Das Werk ist in acht Kapitel unterteilt. Im ersten Kapitel geht es allgemein um die Digitalisierung der Rechtsbranche und im Speziellen um die Entwicklung einer Legal Tech-Strategie für Kanzleien. Hier wird aufgezeigt, wie man durch die Erstellung einer wirtschaftlichen Analyse und Ermittlung des Potentials für Effizienzsteigerungen zur Entwicklung neuer digitaler Rechtsprodukte kommt. Da in diesen Beispielen hohe Anfangsinvestitionen nötig sind, richtet sich dieser Teil hauptsächlich an Großkanzleien. Im zweiten Kapitel wird ein Blick auf die Legal Tech-Szene in Deutschland, Großbritannien und den USA geworfen. Dies ist insofern interessant, da uns sowohl die USA, als auch Großbritannien, um einige Jahre voraus sind und hier Entwicklungen und Erfahrungen abgeleitet werden können. Im dritten Kapitel geht es speziell um den Einsatz von Legal Tech in Großkanzleien. Hier wird gezeigt welche Möglichkeiten Wirtschaftskanzleien durch den Einsatz von KI-basierter Vertragsanalyse-Software und durch die  Entwicklung eigener Legal Tech-Lösungen in den nächsten Jahren haben werden, um ihren Mandaten insgesamt einen schnelleren und effektiveren Service, in einem immer stärker werdenden Wettbewerbsumfeld, bieten zu können.

Das vierte Kapitel widmet sich dem Einsatz von Legal Tech speziell in kleinen bis mittelgroßen Kanzleien. Marco Klock, einer der Autoren, definiert diese als Kanzleien mit bis zu fünf bzw. mit bis zu 30 Berufsträgern. In den drei Abschnitten des vierten Kapitels wird dargestellt, wie diese Kanzleien Legal Tech implementieren können. Dazu sei es nötig, das komplette Mindset der Kanzlei auf „besseren Service für Mandanten“ auszurichten. Nur dann kann auch eine erfolgreiche Umstrukturierung gelingen. Weiterhin erfährt man, wie es zwei Kanzleien in der Praxis gelang, ihre Arbeit auf völlig verschiedene Weise zu digitalisieren und damit erfolgreich am Rechtsmarkt zu bestehen.

Legal Tech in Rechtsabteilungen, Technologie und Zukunft der Anwaltschaft

Im fünften Kapitel geht es um den Einsatz von Legal Tech in Rechtsabteilungen. Hier werden die Verwendung von verschiedenen Softwarelösungen für Rechtsabteilungen und die daraus resultierenden Ergebnisse vorgestellt, z.B. im Bereich von angepassten Vertragsgeneratoren und durch Automatisierung von Workflows. Das sechste Kapitel beschäftigt sich mit verschiedenen Spezialthemen, wie der Zukunft der Online-Streitbeilegung (ODR), neuen Berufsbildern, die sich durch Legal Tech ergeben werden, Technologien in der juristischen Ausbildung, dem „Paris Bar“ Inkubator (der Paris Bar Inkubator ist ein Gründerzentrum, welches von der Pariser Anwaltskammer gegründet wurde, um Anwälten zu helfen, sich über Legal Tech zu informieren und, wenn möglich, die Entwicklung von Startups zu unterstützen, die von Anwälten und Anwaltskanzleien gegründet wurden) und einer sehr interessanten Einschätzung, wie Legal Tech-Angebote und das anwaltliche Berufsrecht zusammenpassen.

Im siebten Kapitel geht es nochmals verstärkt um die Technologie, die bei Legal Tech zum Einsatz kommt. Es wird beschrieben, wie sich ein Rechtsautomat aufbaut und sich juristische Prüfungen dadurch (teil-)automatisieren lassen, wie eine automatisierte Dokumentenerstellung in der Praxis Anwendung findet und wie künstliche Intelligenz im Recht funktioniert. Außerdem wird die Frage aufgeworfen, ob die durch Bitcoin bekannte Blockchain-Technologie und damit verknüpfte Smart Contracts möglicherweise eine neue Basistechnologie im Rechtsbereich darstellen. Das achte und letzte Kapitel besteht aus einem Epilog des Mitherausgebers Markus Hartung, der vier interessante Thesen für die Zukunft der Anwaltschaft aufstellt.

Fazit

Das erste umfassende Werk zum Thema „Legal Tech“ von größtenteils deutschen Autoren ist inhaltlich ein voller Erfolg. Es gibt kaum ein Legal Tech-Thema, welches nicht angesprochen wird, ohne dabei werblich auf verschiedene Anbieter verwiesen zu werden. Die diversen Erfahrungsberichte von Legal Tech in der Praxis (bis hin zur negativen Erfahrungen einer Legal Tech-Firmenpleite in „The Clearspire Story“) sind ebenso lesenswert, wie die Prognosen und Einschätzungen über die Zukunft von Legal Tech. Als Leser angesprochen werden dabei durchgehend alle Rechtsanwälte, egal ob sie In-House in Rechtsabteilungen, in großen Wirtschaftskanzleien oder in mittelständischen und kleinen Kanzleien arbeiten.

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