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Blockchain

Blockchain-Experte Florian Glatz im Interview: Anwälte und IT-ler rücken immer näher zusammen

In der Legal Tech-Szene ist Florian Glatz derzeit einer der bekanntesten Experten auf dem Gebiet von Blockchain und Smart Contracts. Im Interview mit legal-tech.de erklärt er, was es mit dem Phänomen auf sich hat und in welchen juristischen Bereichen die Technologie in Zukunft zum Einsatz kommen wird.

Herr Glatz, jetzt mal ganz grundsätzlich: Was sind Smart Contracts?

Smart Contracts sind Computerprogramme, die Transaktionen über wirtschaftliche Werte automatisiert und autonom abwickeln können. In Teilen können damit auch Rechtsverträge formalisiert und sicher abgewickelt werden. Bei diesem Vorgang werden Vertragsklauseln in die Logik der Maschinensprache übersetzt und damit  „selbst ausführbar“.

Könnten Sie ein Beispiel nennen?

Nehmen wir einen Immobilienkauf. Ist eine Immobilie in der Blockchain registriert, lässt sich per Software der Besitzer ganz einfach mit einer Transaktion wechseln. Sozusagen per Mausklick. Das Grundstück wird in dem Moment übertragen, in dem der vereinbarte Kaufbetrag an mich überwiesen wird. Grundlage dafür bildet die Blockchain-Technologie.

Und was versteht man unter Blockchain-Technologie?

Die Blockchain ist die Ausführungsumgebung, über die ein Smart Contract läuft, ähnlich wie bei einer Software das Betriebssystem. Sie dient als digitale Infrastruktur, über die jede Art von Transaktion abgewickelt werden kann. Bei der Blockchain handelt es sich im Wesentlichen um ein geographisch verteiltes, logisch verknüpftes Computernetzwerk, das dezentral über ein einheitliches Protokoll gesteuert wird.

Welche Vorteile haben Smart Contracts bzw. die Blockchain-Technologie?

Eine ihrer wesentlichen Vorteile ist, dass die gesamte Abwicklung für die Vertragsparteien transparent ist, weil alles über eine geteilte Datenbank läuft. Außerdem erhöht die Blockchain die Sicherheit, dass Verträge genauso ausgeführt werden wie von den Parteien intendiert. Gleichzeitig verringert sie die Transaktionskosten.

Wo kommen Smart Contracts noch zum Einsatz?

Überall da, wo eine Standardisierung bzw. Automatisierung von Wissen und Prozessen möglich ist. Nicht nur die Finanzindustrie hat hier einen Bedarf. Auch Anwaltskanzleien können davon profitieren. Die Automatisierung von Rechtsdokumenten ist nicht nur kosteneffizienter, sondern bietet auch mehr Rechtssicherheit. Für die Mehrheit der Anwaltskanzleien sind Smart Contracts oder die Blockchain-Technologie noch eine Nische. Das könnte sich in den nächsten Jahren ändern.

Welche Rolle spielen dann noch Juristen, wenn in Zukunft Vertragsabschlüsse automatisiert laufen? 

Fundierte und individuelle Rechtsberatung wird sich so schnell nicht von Maschinen ersetzen lassen. Es kann aber sein, dass standardisierte Rechtsprodukte, wie eben Verträge, in Zukunft in Zusammenarbeit mit IT-lern umgesetzt werden.

Was empfehlen Sie Anwälten, um sich auf diese Entwicklung einzustellen?

Die Digitalisierung der Rechtsbranche ist in vollem Gange. Jeder Anwalt wird sich früher oder später darauf einstellen müssen. Viele lügen sich in die Tasche, wenn Sie glauben, dass man nicht alles standardisieren kann. Noch bis vor wenigen Jahren war ich einer der wenigen Anwälte, die sich mit Blockchain-Technologie befasst haben. Bei vielen fehlt noch die Bereitschaft, sich mit Technik auseinanderzusetzen. Hier tut sich aber zum Glück mittlerweile etwas. Ich empfehle Kollegen trotz der vielen Unsicherheiten, Offenheit zu bewahren und zu fragen: Wo kann ich neue Technologien heute in meinem Berufsalltag nutzen? Wer hier ein verschärftes Bewusstsein entwickelt und gleichzeitig die Bedürfnisse seiner Mandanten im Auge behält, ist schon auf einem guten Weg.

Herr Glatz, ich danke Ihnen für das Gespräch.

Foto: Fotolia/peshkov

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