Netzbeweis

Das junge österreichische Legal Tech-Unternehmen „NetzBeweis“ hat vor, das Internet rechtssicherer zu machen. Und das mit einer einfachen Anwendung, die dabei hilft, online gerichtsfeste Beweise zu sichern. Was genau die Anwendung kann und wie sie auch die tägliche Arbeit von Anwältinnen und Anwälten verbessert, erklärt Rechtsanwalt und Mitgesellschafter Michael Lanzinger im Interview.

Herr Lanzinger, was ist „NetzBeweis“? Und wie kam es zu dieser Idee?

NetzBeweis stammt aus einem Hackathon, an dem unsere Geschäftsführerin Katharina Bisset teilgenommen hat. Ihre Idee war es, Beweise, die man online findet, besser zu sichern als nur über Screenshots. Da bei diesem Hackathon auch einer unserer Entwickler – Herr Thomas Schreiber – mit dabei war, wurde schnell der Gedanke laut doch hier ein Tool zu entwickeln, das genau dieses Bedürfnis abdecken kann.

Warum genau braucht es ein Tool wie „NetzBeweis“?

Je mehr die Digitalisierung der Gesellschaft voranschreitet, desto größer ist die Notwendigkeit, Beweise online gut sichern zu können. Ein ganz großes Thema ist hier sicher Hass im Netz, aber auch andere Themen wie Urheberrecht oder Medienrecht sind zu nennen. Oft ist es leider so, dass Screenshots alleine bei Gericht nicht ausreichen. Es fehlen wichtige Informationen wie das Datum. Genau hier setzt NetzBeweis an, indem das Tool es ermöglicht, Beweise online qualitativ besser zu sichern.

Wie funktioniert „NetzBeweis“ und ist das Tool auch in Deutschland nutzbar?

NetzBeweis verfügt über drei Anwendungsmöglichkeiten: Einmal webbasiert und für Endnutzer:innen kostenlos über netzbeweis.com abrufbar. Hier kann man öffentlich zugängliche Websites sichern.

Zusätzlich gibt es – speziell etwa für Rechtsanwält:innen – die Möglichkeit, NetzBeweis als Einbindung in der eigenen (Kanzlei-)Software zu nutzen. Hier arbeiten wir stets daran, dass möglichst viele Schnittstellen zur Verfügung stehen. Derzeit in der Beta-Testphase befindet sich unsere Browser-Extension für Chrome und Edge, wo erweiterte Sicherungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Das Ergebnis ist in jedem der Fälle ein PDF, welches die zu sichernde Website abbildet, versehen mit einem Zeitstempel und einer elektronischen Signatur. Letztere dient dem Beweis, dass die Sicherung nicht im Nachgang verändert wurde. Das PDF ist überdies so gestaltet, dass es möglichst gut (elektronisch) bei Gerichten eingebracht werden kann.

NetzBeweis ist klar auch für den deutschen Rechtsraum konzipiert und bei der Entwicklung wurden die deutschen Prozessrechte mitbedacht, und die Anwendbarkeit vor deutschen Gerichten geprüft.

Inwiefern können Anwältinnen und Anwälte von dem Tool profitieren?

NetzBeweis spart Zeit und Nerven. Es ist nicht mehr notwendig, sich durch Screenshots zu ‚wühlen‘. Stattdessen kann z. B. eine Website mit einem Klick in ein gerichtsfertiges PDF gewandelt werden. Bei der Einbindung in die jeweilige Kanzleisoftware besteht darüber hinaus die Möglichkeit, den jeweiligen NetzBeweis direkt einer Akte zuzuordnen und dort als Leistung zu erfassen. Wir reden daher auch von einer massiven Zeitersparnis.

Können Sie ein paar Beispielfälle liefern, bei denen das Tool ganz konkret von Anwältinnen und Anwälten genutzt werden kann?

Neben dem Kampf gegen Hass im Netz kann NetzBeweis überall dort eingesetzt werden, wo man digital etwas sichern muss, seien es nun Tweets wegen Beleidigungen oder Websites bei Urheberrechtsverletzungen.

Vielen Dank für das Interview, Herr Lanzinger!

Foto: netzbeweis.at

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