Open/Close Menu Wie Anwälte neue Chancen nutzen

Am 21. November 2019 veranstaltete der Fachbuchhändler Sack den 1. Düsseldorfer Legal Tech Pitch. Ziel des Ganzen: Wirtschaftskanzleien und Unternehmen mit Rechtsabteilung praktische Lösungen zur Digitalisierung und Optimierung ihres Kanzleialltags vorzustellen.

Vorgestellt haben sich den rund 30 Teilnehmern an diesem Abend folgende vier Legal Tech-Anbieter in einem kurzen, siebenminütigen Pitch: Iurio, Judicio, rfrnz und Worklean. Als Moderator führte Tobias Leisten, Geschäftsführer Vertrieb bei Sack, durch den Abend.

Pitch von Arnold Scherabon zu Iurio
Pitch von Arnold Scherabon zu „Iurio“
Sven von Alemann_rfrnz
Pitch von Sven von Alemann zu „rfrnz“

Die vorgestellten Legal Tech-Angebote im Überblick:

Iurio: Arnold Scherabon stellte das von ihm mitgegründete österreichische Start-up Iurio vor. Dabei handelt es sich um ein Projektmanagement- und Workflow-Tool für Anwälte, Notare, Steuerberater und Unternehmen. Das cloudbasiertes Tool ermöglicht es, Aufgaben gemeinsam zu koordinieren, Dokumente zeitgleich zu bearbeiten und einen verschlüsselten Datenraum herzustellen. Ebenso werden Nachrichten, zum Beispiel im Austausch mit dem Mandanten, verschlüsselt versendet, sodass auf einen unsicheren Austausch über E-Mail, WhatsApp etc. verzichtet werden kann. Gleichzeitig kann dem Mandanten über die Plattform Einblick in den Status seines Mandats gewährt werden – Update-E-Mails entfallen. Für Schnittstellen zu anderen Anwendungen wie Kanzleisoftware zeigte sich das Unternehmen offen.

Judicio: Bei Judicio, vorgestellt von Christine Bruckner, Language Technology Consultant beim belgischen Unternehmens CrossLang, handelt es sich um deren Programm speziell zur Übersetzung von juristischen Dokumenten. Die Software wurde mit offiziellen rechtlichen Dokumenten trainiert und ist deshalb auch für die sonst oftmals schwierige automatische Übersetzung von juristischen Fachbegriffen und komplexen Texten geeignet. Um eine IT-Sicherheit zu gewährleisten, die es bei Anbietern wie Google nicht gibt,  werden alle hochgeladenen Dokumente verschlüsselt und nicht dauerhaft auf dem Server des Anbieters – mit Standort in Deutschland – gespeichert. Das Angebot kann entweder im Abo oder nur bei Bedarf genutzt werden.

rfrnz: Mitgründer Sven von Alemann präsentierte sein Legal Tech-Unternehmen rfrnz mit Sitz in München und Berlin. Dabei handelt es sich um ein Vertragsanalyse-Tool für Rechtsanwälte und Unternehmensjuristen, um deren Vertragsprüfung und -workflow (teilweise) zu automatisieren. So kann der aufwendige Prozess, zum Beispiel zur Prüfung bei M&A-Transaktionen, Due Diligences oder AVV deutlich abgekürzt werden. Laut eigener Angabe kann die Arbeit, bei besseren Ergebnissen, um 50 bis 70 Prozent beschleunigt werden, indem beispielsweise fehlende Klauseln identifiziert werden. Durch die Nutzung von Machine Learning (KI) ist die Plattform dabei flexibel, anpassungsfähig und in der Lage, weitere Vertragstypen und -sprachen zu trainieren und zu analysieren. Ein weiterer Vorteil: Im Gegensatz zu ähnlichen internationalen Anbietern wurde rfrnz auf Deutsch trainiert.

Worklean: Dr. Oliver Waldburg, Gründer und Geschäftsführer der Worklean GmbH, stellte seinen für Rechtsanwälte und Unternehmen konzipierten digitalen Datenraum zur Kommunikation und Datenablage vor. Die Plattform dient konkret zum Speichern und Verwalten von Geschäftsdokumenten und zur einfachen Zusammenarbeit an den dort abgelegten Dokumenten. Auch die Kommunikation, z. B. bei Due Diligences und M&A-Transaktionen, geschieht direkt im Dokument. Integriert sind daneben auch Möglichkeiten zum Vorlagen- und Aufgabenmanagement. Die Speicherung erfolgt auf einem deutschen Server. Der Abopreis des Angebots richtet sich nach der Anzahl der Workspaces und der Größe des verfügbaren Speicherplatzes.

Arnold Scherabon, Iurio
Arnold Scherabon erklärt den TeilnehmerInnen sein Tool „Iurio“.
Dr. Oliver Waldburg, worklean
Dr. Oliver Waldburg demonstriert sein Tool „Worklean“.

Welche Legal Tech-Lösung ist die richtige für meine Kanzlei?

An die vier Pitches schloss sich eine offene Fragerunde an, in der die TeilnehmerInnen all ihre Fragen zu den einzelnen Angeboten loswerden konnten. So war es möglich, die einzelnen Lösungen im Detail kennenzulernen und auch die Stärken und Schwächen der Angebote herauszustellen. Hier spielte beispielsweise das Thema der Schnittstellen zur Verknüpfung mit anderen Anwendungen eine große Rolle.
Besonders rege wurde sich auch über die Frage „Cloud – ja oder nein?“ ausgetauscht. Der ein oder andere Anwalt äußerte die oft vorgebrachten Bedenken bzgl. der Datensicherheit in der Cloud. Die Anbieter betonten dagegen die vielen Vorteile einer Cloud-Lösung: mehr Flexibilität, geringere Kosten und Updates könnten direkt ausgespielt werden. Zu beobachten sei außerdem eine langsam steigende Akzeptanz von cloudbasierten Anwendungen auch unter Juristinnen und Juristen.

Bei einem abschließenden Imbiss bot sich im gemütlichen Rahmen der Fachbuchhandlung die Möglichkeit, die einzelnen Angebote noch mal genauer unter die Lupe zu nehmen und den ReferentInnen ganz individuelle Fragen zum Nutzen für die eigene Arbeit zu stellen.

Fazit zum 1. Düsseldorfer Legal Tech Pitch

Hat man sich das Ziel gesetzt, die Kanzlei oder Rechtsabteilung durch Legal Tech-Tools zu modernisieren und optimieren, ist das Angebot des Legal Tech Pitches ein gelungener Rahmen, um neue Lösungen im Detail kennenzulernen und herauszufinden, inwiefern diese die eigene Arbeit sinnvoll ergänzen können.

Impressionen des 1. Düsseldorfer Legal Tech Pitch

Video und Fotos: FFI-Verlag